Schwarz Rote Kneipe: Kritik des Antiziganismus

15.04.2026 / /18:30 // Volin (Oligsbendengasse 10)

Antiziganismus – historisch und heute – gegen Stereotype, Diskriminierung und strukturelle Ausgrenzung.

Diskutiert mit, wie wir Vorurteile aufbrechen und Romnja, sowie Sintizze empowern können und Wege finden zur gesellschaftlichen Transformation – zu mehr Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Demokratie.

ein spannender Vortrag von Gordana Herold – Menschenrechtsaktivistin, Advocacy-Expertin und Autorin des Buches “Wendepunkt”. Sie setzt sich für die politische Vertretung, Rechte und Empowerment von Romnja und Sintizze ein.

Wir freuen uns darauf, unsere zweite Schwarz-Rote Kneipe in den gemütlichen Räumlichkeiten des Volins (nähe Kaiserplatz) zu veranstalten.

Kommt vorbei und diskutiert mit uns wie gewohnt bei veganem Essen und kühlen Getränken

BIS DAHIN!

Öffentlicher Lesekreis: Dialektik der Aufklärung, Kapitel: Elemente des Antisemitismus


Sonntag 29.3. 15 Uhr im Volin

Anmeldung via DM oder Mail (diskursiv-aachen@riseup.net)

Das Kapitel „Elemente des Antisemitismus“ ist ein wichtiger Ausgangspunkt für eine kritische Theorie der Gesellschaft nach Auschwitz.

Wir möchten uns mit diesem Lesekreis auf die kommende Veranstaltung mit Anna-Sophie Schönfelder am 10.4. zum Thema „Zum Zusammenhang von Antiziganismus bürgerlicher Subjektivität und Arbeitsethos“ vorbereiten.

Eine Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist natürlich kein muss, der Termin ist ein Angebot zur Vorbereitung, um einfacher an der Debatte teilnehmen zu können.

Wir bitten um Anmeldung via DM oder Mail. Gerne stellen wir euch den Text auf Nachfrage zu Verfügung.

Solidarität mit den jüdischen Gemeinde

Der Antisemitismus hat mal wieder seine hässliche, gewalttätige Fratze gezeigt. Vor 2 Wochen begann eine Woche der Gewalt gegen jüdische Einrichtungen, vor allem in Europa und Nordamerika. In Liège kam es am Morgen des 9. März zu einem Anschlag auf die einzige Synagoge der Stadt. Ein Sprengsatz explodierte direkt vor der Tür und richtete glücklicherweise nur Sachschaden an. Der psychologische Aspekt, der ein solcher Terroranschlag mit sich bringt, ist das eigentliche Hauptziel von solchen Taten. Jüdinnen und Juden soll klar gemacht werden, sie können jederzeit Opfer einer Gewalttat werden. Doch was man an dem Tag noch nicht wusste, dies war erst der Beginn einer weltweiten Anschlagsserie. Bekannt hat sich zu mindestens 3 dieser Anschläge (Liège, Rotterdam, Amsterdam) eine Gruppierung mit dem Namen: „Harakat Ashab al-Yamin al‑Islamiya“. Sie selbst scheinen Teil des internationalen Iran und Hisbollah Netzwerks zu sein. Ihre Bekennervideos wurden jedenfalls über deren Telegramm Kanäle verbreitet. Die Gruppierung selbst ist neu und hat keine eigenen Propaganda-Kanäle. Ob es sich aber wirklich um eine klar organisierte Gruppe handelt, nur um einen losen Zusammenschluss von Einzelpersonen oder eine Schattengruppe ist nicht bekannt. Was aber klar ist: Der wachsende Antisemitismus der letzten Jahre, vor allem nach dem 07. Oktober 2023, bietet eine gute Grundlage, um allerlei aufgehetzte Jugendliche und junge Erwachsene als willige Vollstrecker von islamistisch geprägter Gewalt in den europäischen Gesellschaften vorzufinden. So hatte in Schweden z.B. der Mossad vor Gefahren durch eigentlich kriminelle Jugendgangs gewarnt. Sie sollten Anschläge im Auftrag des Iran durchführen, dieser hätte im Gegenzug konkurrierende Bandenführer ausschalten wollen. Kurz nach dem Anschlag gegen die jüdische Schule in Amsterdam am 14.03.2026 wurden mehrere junge Erwachsene festgenommen, die sich dem iranischen Proxy zugehörig fühlten. Die Interessen des Iran an einer Eskalation der asymmetrischen Kriegsführung, welche das Regime seit vielen Jahrzehnten betreibt, trifft auf das oben genannte ressentimentgeladene antisemitische/antizionistische Klima der europäischen Gesellschaften. Am 10. März gab das Institut Jonathas einen Bericht über Antisemitismus in Belgien heraus. Im Schnitt gaben 21% der Befragten an, dass „die Juden“ eine „unassimilable race“ seien. Bei der „far Left“, gemeint sind wohl hauptsächlich Vertreter der Partei der Arbeit (PTB), sei die Zustimmung dazu mit 33% nochmal signifikant höher. Auch im islamisch/islamistischen Milieu sind die Zustimmungen zu verschiedenen Abfragen deutlich höher als im Schnitt,sign darüber hinaus stimmen jüngere Befragte antisemitischen Chiffren häufiger zu als ältere.
Doch nochmal zurück zum Anschlag in Liège, der Stimmung in der Stadt und deren Umgebung. Liège hatte im April 2023 offiziell für den BDS-Antrag zur Beendigung aller Beziehungen zu Israel gestimmt. Die PTB, aktuell drittstärkste Kraft im Stadtparlament, hatte den Antrag eingebracht, obwohl Liège keine Beziehungen zu Israel pflegt. Wie in fast allen größeren Universitäten gab es auch an der Universität Liège in Folge des 7. Oktobers eine Besetzung von Studierenden mit dem Ziel die Zusammenarbeit mit Unis ins Israel zu beenden. Nach 40 Tagen wurde die Besetzung beendet, aber erst nachdem die Rektorin versprochen hatte, keine bilateralen Partnerschaften mit israelischen Einrichtungen einzugehen. Verviers, eine ca. 50.000 Einwohner*innen zählende Stadt 20 Minuten von Liège entfernt, wurde 2015 kurz international beachtet, da bei einer Razzia gegen eine islamistische Terrorzelle zwei Islamisten von der Polizei erschossen wurden. Die Männer hatten während einer Razzia das Feuer auf die Beamten eröffnet, bei ihnen wurde neben den Waffen auch Sprengstoff und Uniformen der belgischen Polizei gefunden. Dies geschah knapp eine Wochen nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Paris. Doch Verviers hat eine längere Geschichte mit Islamismus. Der Al-Aqsa Verein aus Aachen, der 2002 wegen Unterstützung der Hamas verboten wurde, hatte auch im Ausland Ableger, einer davon wurde in Verviers für den belgischen Ableger (The Al-Aqsa Foundation / Akshaum) gegründet. Der Verein arbeitet eng mit der Muslimbruderschaft zusammen und ist mittlerweile nach Brüssel umgezogen.
Belgien hat ein Islamismusproblem und das nicht erst seit gestern. Darüber hinaus hat es, aber da ist es weltweit nun leider nicht allein, ein Problem mit Antisemitismus und Antizionismus. Die Anschläge gegen das jüdische Museum in Brüssel 2014 oder die Anschläge auf das Bataclan in Paris im November 2015 wurden durch islamistische Terrorzellen begangen, die Verbindungen nach Belgien aufweisen. Die Täter der Anschläge in den 2010ern waren zumeist junge Muslime die in der zweiten oder dritten in den Ankunftsländern lebten, oft über eine kleinkriminelle Vergangenheit verfügten und sich innerhalb von wenigen Monaten zum Attentäter entwickelten. Wenige Monate vor der Tat waren sie oft noch wenig bis kaum als Religiös wahrgenommen worden und in vielen Fällen im Knast indoktriniert worden. Der IS wie der Iran finden ein Milieu in Europa vor, dass sich für extreme Gewalttaten rekrutieren lässt. Nach dem 07. Oktober und dem darauf folgenden Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen durch die Israelische Armee wurde die Stimmung noch angespannter und die antisemitische/antizionistische Indoktrination auch auf weitere gesellschaftliche Gruppen ausgeweitet. Vor allem innerhalb der Linken, von der linksliberalen Identitätstheoretikerin bis zum maoistischen Volkskrieg Anhänger, wird sich über das Ticket „Palästinasolidarität“ die Zugehörigkeit zur Bewegung gezogen. Der Ton wird extremer und gewalttätiger, Antisemitismus und Antizionismus werden über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg immer anschlussfähiger. Mit Blick auf dieses gesellschaftliche Klima erschreckt man über diese Woche der Gewalt, aber überrascht sollte man nicht sein. Wir schreiben oft über linken Antisemitismus, da er uns nochmal besonders beschäftigt und das nicht nur Intellektuell. Daher macht es uns noch wütender, wenn bei der Studie über Antisemitismus in Belgien heraus kommt, dass nicht mal jeder zweite Unterstützer der PTB es für antisemitisch hält, wenn eine jüdische Stätte wegen des Krieges in Israel beschmiert wird.
Daher brauchen wir eine lauter werdende antisemitismuskritische Linke, die sich klar positioniert und den Einfluss dieser mörderischen Welterklärung, den Antisemitismus und Antizionismus, konsequent bekämpft.

Solidarität mit den jüdischen Gemeinden
Nieder mit der antisemitischen Gewalt

Anna-Sophie Schönfelder: Zum Zusammenhang von Antiziganismus, bürgerlicher Subjektivität und Arbeitsethos


// 10.04.2026 ab 18:30 im Volin in der Oligsbendengasse 10 //
Stereotype über Sinti:ze und Rom:nja sind uns allen seltsam vertraut. Anders als andere Formen des Rassismus werden sie noch immer kaum als das benannt und kritisiert, was sie sind: Ressentimentgeladene Zuschreibungen, die mit realen Personen nichts zu tun haben. Für Betroffene bedeuten sie oft Stigmatisierung und Ausgrenzung. Dass sich das antiziganistische Ressentiment so hartnäckig behauptet, liegt – unter anderem – an seiner engen Verbindung mit dem Arbeitsethos. Mit Entstehung der modernen Gesellschaft hatten die Menschen die Disziplin zur unermüdlichen Arbeit, die zuvor in hierarchischen Dienstverhältnissen durch Gewalt erzwungen worden war, zunehmend aus sich selbst heraus aufzubringen. Arbeit wurde als Pflicht gegenüber der Gemeinschaft moralisch aufgewertet, während Wünsche nach mühelosem Glück unterdrückt und hassen gelernt werden mussten. Gegen diese moralischen Normen zu verstoßen ist die Unterstellung, mit der der Antiziganismus soziale Minderheiten verfolgt. Im Vortrag wird beleuchtet, wie Antiziganismus und Arbeitsethos im 15. Jahrhundert entstehen, warum beide Ideologien so gut zusammenpassen, und wie gewaltsam sie sich über Jahrhunderte hinweg auf Sinti:ze, Rom:nja und andere betroffene Gruppen ausgewirkt haben. Mit Hilfe der Kritischen Theorie schauen wir uns an, wie der unterdrückte Selbsthass bürgerlicher Subjekte sich in die Chimäre von einem essenziell kriminellen, arbeitsscheuen und vorzivilisierten Sozialcharakter übersetzt.

Neben dem Vortrag wird es wie immer ein veganes Abendessen und leckere Getränke geben. Wir freuen uns auf euch!

Der Vortrag wird finanziell vom AstA der katholischen Hochschule Aachen und vom Arbeitskreis Politik der katho gefördert. Wir bedanken uns herzlich.

Lesung mit Olaf Kistenmacher

Wir laden euch zur Lesung mit Olaf Kistenmacher ins Volin ein. Er liest aus „»Gegen den Geist des Sozialismus« Anarchistische und kommunistische Kritik der Judenfeindschaft in der KPD zur Zeit der Weimarer Republik“.

Zum Buch:

Antisemitismus in der politischen Linken wurde nicht erst nach 1945 zum Thema. Die Kritik daran ist so alt wie die Sache selbst. In der Weimarer Republik waren es ehemalige Gründungsmitglieder der KPD wie Franz Pfemfert oder Anarchosyndikalisten wie Rudolf Rocker, die die antisemitische Agitation während des Schlageter-Kurses kritisierten. Mitte der 1920er Jahre warnte Clara Zetkin auf dem Parteitag der KPD vor judenfeindlichen Stimmungen an der Basis. 1929 erschien im Zentralorgan der um Heinrich Brandler und August Thalheimer gebildeten KPD-Opposition eine der ersten radikalen Kritiken des Antizionismus der KPD. Mit ihrer Kritik knüpften die anarchistischen und kommunistischen Linken an Interventionen von Rosa Luxemburg oder Leo Trotzki an und reflektierten zugleich die Entwicklung in Russland nach der bolschewistischen Revolution. Marx’ Anspruch, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«, schloss für sie den Kampf gegen Antisemitismus auch in den eigenen Reihen mit ein. Ihre Kritik kam nicht nur Jahrzehnte vor der innerlinken Debatte über Antisemitismus von links, Luxemburg und Pfemfert nahmen auch Argumente der späteren antinationalen und antideutschen Linken vorweg.

Zur Person:

Olaf Kistenmacher arbeitet als Buchautor und Journalist. Er promovierte mit der Studie “Arbeit und »jüdisches Kapital«. Antisemitische Aussagen in der KPD-Tageszeitung Die Rote Fahne während der Weimarer Republik”. Mit Hans-Joachim Hahn gab er die beiden Sammelbände “Beschreibungsversuche der Judenfeind-schaft” heraus, die sich mit der Antisemi-tismusforschung vor 1945 beschäftigen. Kürzlich erschien sein Text “Mehr als Schuldabwehr. Zu den Ursprüngen des linken Antizionismus und Israelhasses” im Band “Projektiver Antizionismus. Antisemitismus gegen Israel nach dem 7. Oktober” im Nomos Verlag.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Arbeitskreis Politik der katho Aachen und dem AStA/StuPa der katho Aachen statt.

09.04.2026 // 18:30h // Volin Aachen // Oligsbendengasse 10 52070 Aachen

Schwarz-Rote Kneipe im März: Keine Einzeltäter – Misogynie und radikalisierte Männlichkeit

I

In den vergangenen 10 Jahren nahmen Anschläge, die von (jungen) Männern ausgeführt wurden immer mehr zu. Oft handelten sie allein und wurden als Einzeltäter wahrgenommen. Diese Leseweise verstellt den Blick auf die gesellschaftliche Dimension der Taten. Attentäter wie Andreas Behring Breivik, Elliott Rodger, Alek Minassian oder Stephan Balliet begingen ihre Taten zwar allein, jedoch besuchten sie im Vorfeld Foren und Netzwerke, wie die der Incel-Community, tauschten sich in ihnen aus und veröffentlichten ihre Manifeste in diesen. Ihre Taten werden in diesen Foren weiterhin besprochen und ihre Mitglieder beziehen sich auf die Attentäter. Gemeinsam ist allen Tätern und ihren Bewunderern das männliche Geschlecht und ihre Misogynie. Der Vortrag verfolgt die These, dass die Anschläge mit Männlichkeit als gesellschaftlich konstruiertes Identitätskonzept verwoben sind und sich bei den oben beispielhaft genannten Männern Männlichkeit radikalisiert hat.

Maria Jordan ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet als Sozialarbeiterin. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen. Sie beschäftigt sich in Theorie und Praxis mit dem Zusammenhang von Gewalt gegen Frauen und kapitalistischer Vergesellschaftung sowie feministischer und Kritischer Theorie.

Wir freuen uns auf den spannenden Vortrag und darauf, unsere erste Schwarz-Rote Kneipe im Volin in der Oligsbendengasse 10 (Nähe Kaiserplatz) zu veranstalte.

Kommt vorbei und diskutiert mit uns, wie immer bei veganem Essen und kühlen Getränken.
Bis dahin!

18.03.2026 // 18:30h // Volin Aachen // Oligsbendengasse 10 52070 Aachen (Nähe Kaiserplatz)

ABGESAGT! Schwarz Rote Kneipe im Februar: Schwestern im Streit – Warum Sisterhood feministische Solidarität stärkt und herausfordert

Wegen Krankheit müssen wir die Schwarz rote Kneipe leider ausfallen lassen. Ihr dürft euch auf jeden Fall auf einen Nachholtermin freuen, den wir noch bekannt geben werden.

Sisterhood is powerful: dieser Slogan zieht sich wie ein roter Faden durch feministische Bewegungen weltweit. Die Idee der Schwesterlichkeit weckt die Hoffnung, dass Solidarität unter Frauen eine Kraft entfalten kann, mit der sich gesellschaftliche Ungleichheiten überwinden lassen. Doch was bedeutet Schwesterlichkeit eigentlich? Die Metapher der Schwester schafft Gemeinschaft und kann feministische Handlungsfähigkeit stärken. Gleichzeitig suggeriert sie Gemeinsamkeit und geteilte Erfahrungen. Für viele Feministinnen steht Sisterhood jedoch insbesondere für Gleichheit . Es stellt sich die Frage, ob die Vorstellung einer natürlichen Gleichheit im Politischen die Stärken feministischer Bewegungen, Vielfalt und Verschiedenheit untergräbt.
Der Vortrag geht diesen Spannungen nach. Er beleuchtet die historischen Wurzeln der Schwesterlichkeit, ihre unterschiedlichen Deutungen innerhalb feministischer Bewegungen und ihre Veränderungen im Laufe der Zeit. Im Fokus steht dabei auch die Gegenwart: Wie verstehen heutige Feminist*innen Schwesterlichkeit? Feministische Solidarität wird kritisch reflektiert und stellt die Frage, was sich daraus für aktuelle feministische Kämpfe lernen lässt. 

Kommt vorbei und diskutiert mit uns bei veganem Essen und kühlen Getränken.

18.02.2026 // 18:30h // DGB-Haus

Schwarz-Rote Kneipe im Januar: Georg Elser – Vom Feind der Volksgemeinschaft zum Deutschen Helden in 80 Jahren

Georg Elser (1903-1945) wollte Adolf Hitler 1939 mit einer Bombe töten und scheiterte nur knapp. Bis zum Ende der Bonner Republik stand der proletarische Widerstandskämpfer aus dem schwäbischen Königsbronn im Schatten der Putschisten des 20. Juli 1944 um Oberst Stauffenberg. Inzwischen scheint sich das Verhältnis umzukehren. Im Land erinnern mehr Denkmäler an Elser als an Stauffenberg. In der Rezeptionsgeschichte des Bürgerbräu-Attentats zeigen sich die Leerstellen und Abgründe der deutschen „Aufarbeitung der Vergangenheit“.

Der Vortrag konzentriert sich auf den ideologischen Zusammenhang, in dem die Motive zur Tötung Hitlers reiften, und die daraus resultierenden Nachwirkungen auf die Wahrnehmung des Attentats während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Er wird der Frage nachgehen, was das Andenken an den christlich und kommunistisch geprägten Attentäter in Deutschland über Jahrzehnte blockierte. Dies führt zu der Frage, ob der einsame Widerstandskämpfer heute einen Platz in der Traditionsbildung der Bundesrepublik finden kann.


Matheus Hagedorny ist Historiker und Politikwissenschaftler. Beiträge von ihm erschienen unter anderem in Jungle World, konkret, nd und Neue Zürcher Zeitung. Im Ça ira Verlag erschienen ist sein Buch Georg Elser in Deutschland, das inzwischen in zweiter Auflage vorliegt.

Neben dem Vortrag gibt es ein veganes Abendessen und leckere Getränke. Kommt am 21.01.2026 um 18:30h ins DGB Haus. Wir freuen uns auf euch!

Schwarz-Rote Kneipe im Dezember: Zur Kritik der Menschenrechte

Sie galten lange als Grundlegendes, auf das sich alle, die für Demokratie, Frieden und/oder Emanzipation eintreten, einigen können; ihre Missachtung und Verletzung waren geächtet, vermeintliche und wirkliche Despotien wurden hierdurch gekennzeichnet; sie galten als Gradmesser einer Zivilisation, als Gretchenfrage des Fortschritts, wie der Aufklärung: die Menschenrechte.
Zunehmend geraten die Menschenrechte jedoch unter Druck. Von linker, postkolonialer Seite aus wird der Vorwurf erhoben, sie wären von alten weißen Männern für ebenjene gemacht; von rechts wird der universelle Anspruch mit der Eigentümlichkeit der Völker zurückgewiesen. Autoritäre Tendenzen in den westlichen Demokratien untergraben ihre Stellung zusehends weiter.
Dennoch bleiben sie – bisher – konstitutiv für ein liberal-demokratisches Selbstverständnis, berufen sich die großen Kirchen, über die christliche Nächstenliebe, auf sie und für die Soziale Arbeit bilden sie weiterhin die Grundlage des Professionsverständnis.
Gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung und Polarisierung ist es um so wichtiger, eine Kritik der Menschenrechte zu formulieren, die sich nicht mit den menschenfeindlichen Parolen von rechts gemein macht und dennoch aufzeigt, warum mit ihnen keine Emanzipation zu machen ist und die liberal-demokratische Argumentation ein indifferentes und unzureichendes Bild der Menschenrechte zeichnet, das ihre Entwicklung ignoriert und mit dem nichts erreicht werden kann, das über den Status quo hinausgeht.

Der Vortrag geht entsprechend den Fragen von Ursprung und Entwicklung der Menschenrechte nach, macht den Unterschied zwischen nationalstaatlichem Recht und internationalen Vereinbarungen deutlich und zeigt die Probleme, die mit den Menschenrechten einhergehen auf: von dem ideologischen Gehalt des Begriffs, über ihre naturalistische Begründung und dem damit verbundenen kulturalistischen Rollback bis hin zu ihrem Souveränitätsdefizit.

Frederik Fuß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Hochschule NRW und Mitglied des Centrums für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS). Zudem promoviert er zum Umgang mit Antisemitismus in der anarchosyndikalistischen Presse der Weimarer Republik. Zuletzt erschien von ihm u.a.: Frederik Fuß: Imperialismus heute. Syndikat-A. Moers 20225.

Kommt vorbei und diskutiert mit uns bei veganem Essen und kühlen Getränken.
Bis dahin!

17.12.2025 // 18:30h // DGB-Haus

Schwarz-Rote Kneipe im November: Gefangen im eigenen Zuhause – Partnerschaftsgewalt gegen Frauen, Folgen & Herausforderungen im weiteren Lebensweg

Partnerschaftsgewalt gegen Frauen findet in Deutschland jeden Tag statt. Statistisch gesehen wird jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet. Während Männer eher Opfer von Gewalttaten im öffentlichen Raum werden, erfahren Frauen Gewalthandlungen eher im Privaten durch ihr nahes soziales Umfeld. Es zeigt sich, dass Gewalt in der Partnerschaft keine isolierten Einzelfälle sind, sondern tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind und System haben. Männer nutzen Gewalt, um ihre Macht und Kontrolle gegenüber ihrer weiblichen Partnerin geltend zu machen. Die Folgen von Partnerschaftsgewalt sind zahlreich
und schwerwiegend. Dennoch benötigen Frauen aufgrund von emotionalen und ökonomischen Abhängigkeiten oft mehrere Versuche, um sich endgültig zu trennen. Denn mit der Trennung verlieren sie nicht nur ihr Zuhause, sondern sie riskieren auch ihre materielle Sicherheit sowie eine unfreiwillige Wohninstabilität.
Nach einer Trennung müssen sich die
Betroffenen häufig ein völlig neues Leben aufbauen und sind auf ihrem weiteren Lebensweg mit einer Vielzahl an Hindernissen konfrontiert, bei denen sie vom Staat weitgehend im Stich gelassen werden. Hinzu kommt, dass betroffene Frauen zusätzlich die Gewalterfahrung verarbeiten müssen. All dies stellen Brüche in den Biographien betroffener Frauen dar.

Der Vortrag soll einen tieferen Einblick in den theoretischen Rahmen und die Entstehung von Partnerschaftsgewalt gegen Frauen geben und zeigen, wie diese in unserer Gesellschaft immer noch trotz zunehmender ‚Gleichberechtigung‘ verfestigt ist und sogar ansteigt. Ein besonderer Fokus soll auf die Perspektiven und Erfahrungen betroffener Frauen gelegt
werden. In diesem Zusammenhang werden auch die Hindernisse, mit denen die Betroffenen in ihrem weiteren
Leben zu kämpfen haben, und die Bedeutung eines (sicheren)
Zuhauses beleuchtet.

Kommt vorbei und diskutiert mit uns bei veganem Essen und kühlen Getränken.

Der Vortrag findet in Kooperation mit dem feministischen Bündnis für ein Ende der Gewalt im Vorfeld der Kundgebung zum Tag gegen Gewalt an Frauen statt.

19.11.2025 // 18:30h // DGB-Haus Aachen