Die antisemitische Feindbildung: Zur Sozialpsychologie eines kollektiven Wahns

Ein Vortrag mit Prof. Dr. Rolf Pohl

Der Antisemitismus wird gesellschaftlich und politisch erzeugt und immer wieder erneuert. Seine Massenwirksamkeit aber erhält er erst durch seinen irrationalen Charakter in Form eines kollektiven Wahns, dessen Attraktivität vor allem in den Mechanismen seiner Feindbildung liegt. Das begünstigt die entgegenkommende Bereitschaft und damit die Anfälligkeit der Einzelnen. Die psychischen Wurzeln des Antisemitismus liegen dabei in unbewussten, mit starken Affekten gepaarten Wahrnehmungsmustern und die Hauptantriebskraft antisemitischer Einstellungen und Gewalttaten ist eine subjektiv und kulturell tiefsitzende, bis zum Hass steigerbare Feindseligkeit. Vor diesem Hintergrund weist die verschwörungstheoretische Konstruktion des „Juden“ als „absoluten Feind“ trotz historisch wechselnder Erscheinungsformen des Antisemitismus Übereinstimmungen auf, die eine Kontinuität immer wiederkehrender Motive erkennen lässt. Dies soll in dem Vortrag vor allem aus einer wahrnehmungspsychologischen Perspektive untersucht werden. Continue reading

Was ist Antisemitismus? Begriff – Geschichte – Ideologie

Viel wird derzeit über einen „neuen Antisemitismus“ gestritten – und dies vor allem mit Blick auf die islamistischen Dimensionen der Judenfeindschaft. Der Vortrag will vor dem Hintergrund der jüngsten Debatten eine grundsätzliche Klärung des Begriffs vornehmen und nach der Geschichte einer Ideologie fragen, die keinesfalls neu, sondern ein vielfach verdrängter Teil der europäischen und vor allem deutschen Kultur ist. Continue reading

Schwarz-Rote Kneipe: Die Ideologie der Identitären Bewegung: Ethnopluralismus, Antisemitismus, Antiuniversalismus

Die medial stark thematisierte „Identitäre Bewegung“ gilt als aktivistischer Arm der „Neuen Rechten“ in Europa. Ideologisch grenzen sie sich vom Nationalsozialismus und dessen Rassentheorie ab und beziehen sich stattdessen auf das geopolitische Prinzip des Ethnopluralismus. Stark vereinfacht bezeichnet Ethnopluralismus eine Weltanschauung, die auf Basis biologischer und kultureller Merkmale Menschengruppen in geographisch abgesteckte Räume einteilt. Entgegen der Selbstinszenierung als „0% rassistisch“ soll im Vortrag rekonstruiert werden, dass Ethnopluralismus schon bei seinen Vordenkern der 1920er Jahre und seinen jüngeren Ideologen von Rassismus, Antisemitismus und der Ablehnung universeller Werte wie Menschenrechten und Demokratie durchzogen ist. Dass sich auch die „Identitären“ in ihren politischen Forderungen nicht von diesen Merkmalen freisprechen können, soll aus der Perspektie der politschen Theorie entschlüsselt werden und der Ethnopluralismus als antidemokratische Gemeinschaftsideologie entlarvt werden.

Neben Vortrag und Diskussion gibt es vegane und leckere Küfa, günstige Drinks und Kicker für lau. Kommt vorbei und verbringt einen schönen Abend mit uns.

18.09.2019 // 18:30 Uhr Türen offen // 19:15 Uhr Vortragsbeginn // AZ Aachen

Schwarz-Rote Kneipe: Francisco Ferrer und seine ”Moderne Schule“

Dieses Mal, ist das Thema unser Schwarz-Roten Kneipe das Schulmodell der „Modernen Schule“ von dem Anarchisten Francisco Ferrer.
Er gründete 1901 die erste Schule in Barcelona nach der pädagogischen Vorstellung einer rationalen Erziehung. Diese Richtung der Pädagogik fußt unter anderem auf der Theorie von Rousseau oder Tolstoi und hat sich innerhalb der Arbeiter_innenbewegung verbreitet.
Ziel war es, den Kindern die Möglichkeit zu bieten, ohne kirchlichen und staatlichen Einfluss sich zu selbstbestimmten und gemeinschaftlich denkenden Menschen zu entwickeln. Dazu sah das Modell u.a. vor, dass Kinder aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und verschiedener Geschlechter gemeinschaftlich lernen. Für Ferrer war diese Erziehungsmethodik die zielführendste Strategie, die ökonomische und intellektuelle Befreiung der Arbeiter_innenklasse zu erreichen. Das Schulmodell hat sich durch die aufstrebende anarcho-syndikalistische Bewegung erstaunlich schnell international verbreitet. Bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts existierten „Moderne Schulen“ in Amerika, Südamerika, Europa und in Teilen Asiens. Der Vortrag wird sich mit dem Konzept der Pädagogik, dem historischen Hintergrund und der Verbreitung des Schulmodells beschäftigen.
Neben Vortrag und Diskussion wird es wie immer leckere, vegane Küfa, günstige Drinks und Kicker für Lau geben. Kommt vorbei! Wir freuen uns auf euch!
17.07.2019 // AZ Aachen // 18:30 Uhr

Filmvorführung: Frauen bildet Banden

Mittwoch, 10. Juli 2019, 19 Uhr Autonomes Zentrum Aachen, Hackländerstraße 5, Aachen

Wir freuen uns euch den spannenden Film „Frauen bildet Banden – Eine filmische Spurensuche zur Geschichte der Roten Zora“ des LasOtras – FrauenLesben-FilmCollectif Berlin zeigen zu können! Im Anschluss an den Film wird es die Möglichkeit geben, mit einer der Macherinnen ins Gespräch zu kommen! Continue reading

Der Staat als Feminist? Zur Kritik des staatlichen Feminismus

Bildquelle: See Red Women’s Workshop, https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/deed.en_US

Zum Verhältnis von Staat, Kapitalismus und Geschlecht

Kita Ausbau, „familienfreundliche“ Unternehmen, Gleichstellungsbeauftragte, Eltern- und Betreuungsgeld sind in aller Munde und werden sowohl in Parlamenten als auch am Küchentisch diskutiert. Es entsteht der Eindruck, dass der Staat der neue Verbündete im Kampf um eine Gleichstellung der Geschlechter geworden ist. Trotz aller „Bemühungen“ staatlicherseits ist weder eine formelle noch eine reale Gleichstellung in Sicht. Das ist kein Zufall. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass mit den umgesetzten Strukturen und Gesetzen ganz andere Ziele als die Befreiung der Frau angestrebt werden. Continue reading

Über Deutsche Ordnung

„Wir unterschreiben nicht. Es wird jedoch der Tag kommen, da wir Kommunisten dieses Grundgesetz gegen die verteidigen werden, die es angenommen haben!“

Als sich der KPD Abgeordnete Heinz Renner am 23. Mai 1949 weigerte das (west-)deutsche Grundgesetz zu unterzeichnen schien er bereits zu ahnen, aus welcher Richtung der Wind im Nachfolgestaat des großdeutschen Reiches dereinst wehen würde. Begründete er seine Weigerung noch mit der Teilung Deutschlands, an deren Umsetzung er sich nicht beteiligen wollte, so dürfte auch ihm klar gewesen sein, dass eine humane Gesellschaft auch im neuen westdeutschen Staat, der sich fortan Bundesrepublik Deutschland schimpfte, nicht zu machen sein würde. Continue reading

#Enteignen: Sozialismus per Grundgesetz? 70 Jahre Grundgesetz – 70 Jahre Staatskritik

Pünktlich zum siebzigsten Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sorgen Mietervereinigungen in Berlin bundesweit für Schlagzeilen mit ihrem Ziel das börsennotierte Immobilienunternehmen „Deutsche Wohnen“ enteignen zu wollen. Ein „Fossil“ der bundesrepublikanischen Verfassung, der Artikel 15 des Grundgesetzes, das heißt eine Überführung von Unternehmen und Gütern aus privater in die öffentliche Hand, soll mittels Volksbegehren, in Anschlag gegen die Wohnungsspekulanten in Berlin gebracht werden. Continue reading